Beischaden

Über die Verringerung und Eliminierung unabsichtlich verursachter Schäden können wir sehr gerne diskutieren, sobald wir das absichtliche Verursachen von Schäden beendet haben. Bei der absichtlichen Verursachung von Schäden entsteht nämlich auch jede Menge unabsichtlicher Beischaden (Fang und Beifang als Beispiel).

Erst, wenn das eliminiert ist, kann überhaupt erst abgeschätzt werden, wieviel unabsichtlicher Schaden dann noch übrig bleibt und erst dann kann wirklich vernünftig und lösungsorientiert darüber beraten werden.

Ja, bei der Landwirtschaft kommen Kleinlebewesen zu Schaden. Aber eben nicht nur bei der Landwirtschaft für die menschliche Ernährung, sondern auch bei der für Tierfuttermittel. Da Landwirtschaft nicht nur für 7,6 Milliarden Menschen sondern außerdem noch für 74 Milliarden ausgebeutete Tiere betrieben wird, ist die Zahl der unabsichtlich verletzten Kleintiere wesentlich höher als sie wäre, wenn nur für Menschen angebaut würde.

Lass dich nicht von den Vernebelungstaktiken der professionellen Tierausbeuter*innen blenden. Es gibt keinen guten Grund, verletzlichen bewussten Wesen absichtlich zu schaden.

#govegan


Quellen:
Weltbevölkerung https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbev%C3%B6lkerung
Anzahl ausgebeuteter Tiere: https://theresanelephantintheroomblog.wordpress.com/2018/01/15/statistics-a-list-of-individual-tragedies/ (FAO, Food & Agriculture Organisation, FAOSTAT Production, Livestock Primary 2016)

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… so vorhersehbar wie beklagenswert.

„Das grundlegende Unrecht ist das System, das es uns erlaubt, Tiere als Ressourcen zu sehen, nur hier für uns – um gegessen oder operativ manipuliert zu werden oder um für Sport oder Geld ausgebeutet zu werden. Wenn wir diese Auffassung über Tiere erst einmal akzeptiert haben – als unsere Ressourcen – dann ist der Rest so vorhersehbar wie beklagenswert. Warum sollte man sich auch Gedanken machen über ihre Einsamkeit, ihren Schmerz, ihren Tod? Da Tiere nur für uns existieren, damit wir auf die eine andere Weise aus ihnen Nutzen ziehen können, hat ihre Schädigung für uns keine Bedeutung – oder bekommt erst dann Bedeutung, wenn es anfängt uns zu stören, wenn es uns dabei etwas unbehaglich wird …“
„The fundamental wrong is the system that allows us to view animals as our resources, here for us — to be eaten, or surgically manipulated, or exploited for sport or money. Once we accept this view of animals – as our resources – the rest is as predictable as it is regrettable. Why worry about their loneliness, their pain, their death? Since animals exist for us, to benefit us in one way or another, what harms them really doesn’t matter — or matters only if it starts to bother us, makes us feel a trifle uneasy … “
~Tom Regan, The Case for Animal Rights
 

Wenn Tierschutz langfristig mehr schadet als nützt

Ja, das ist eine ganz schön ketzerische Aussage: Ich bin davon überzeugt, dass der „Tierschutz“ wie er heute propagiert und gelebt wird, durch die grundsätzliche Billigung der Tierhaltung in Wirklichkeit der Tierausbeutungsindustrie nützt und sie weiter zementiert. Dadurch wird meiner Meinung nach aktiv verhindert, dass sich die Menschen auf der ethischen Ebene mit dem grundlegenden Unrecht der Tierhaltung auseinandersetzen, und somit langfristig das Tierleid verlängert.

Heute z. B. ist mir die ich-weiß-nicht-wievielte Petition für „mehr Tierschutz“ in die Timeline geflattert. Und was versucht man da zu erreichen? Nicht etwa die endlich vorbehaltlose Anerkennung des Lebensrechts der anderen sentienten Tiere dieses Planeten, sondern einfach nur eine weitere Spielart der freundlichen Bitte, den Opfern doch „etwas mehr Platz“ zu gewähren, bevor sie zu ihrer Exekution gekarrt werden.

Hier die wahnsinnig überzeugende Argumentation:

„Käfighaltung ist grausam und unnötig, da eine tiergerechtere Haltung ohne Käfige rentabel möglich ist.“

  1. Nicht nur „Käfighaltung“ ist grausam und unnötig,  jede „Haltung“ sentienter Wesen, um sie aus Profitgründen auszubeuten und letztlich zu töten, ist inhärent grausam, weil wir den ihnen eigenen Lebenszweck missachten und unseren Wünschen unterordnen, und sie ist deshalb komplett unnötig, weil wir diese Produkte nicht brauchen, um ein gutes, gesundes und erfülltes Leben zu führen.
  2. Eine tiergerechtere Haltung ist noch lange nicht gerecht, nur weil das Wort gerecht hier hinein gebastelt wurde. Es wird über das Leben voll bewusster, empfindungsfähiger Wesen verhandelt, dabei jedoch deren existenzielle Interessen völlig außer Acht gelassen. Merke: Solange jemand das Recht hat, mich zu töten, wann immer er will, nützt mir auch das Anrecht auf eine etwas größere Zelle letztlich nicht viel.
  3. Zu guter Letzt wird noch an die Tierausbeuter hingeschleimt: „Och, büddööö, ihr könnt euch das doch leisten.“ Dabei wird komplett ausgeblendet, dass diese Leute wegen des Geldes in diesem Geschäft sind. Alles, was die Marge verkleinert, ist pfui, scheißegal, ob auch eine kleinere Marge noch „rentabel“ wäre. Wenn so jemand die Wahl hat zwischen einer größeren oder einer kleineren Marge, nimmt er – Überraschung! – die größere.
  4. Allein schon, dass hier über die Rentabilität leidensfähiger, bewusster Wesen diskutiert wird, ist abgrundtief widerlich.

Also formulierte ich folgende Antwort auf die Einladung, diesen Müll zu unterschreiben:

„da eine tiergerechtere Haltung ohne Käfige rentabel möglich ist“

da eine frauengerechtere Haltung ohne Käfige rentabel möglich ist

da eine sklavengerechtere Haltung ohne Käfige rentabel möglich ist

da eine kindgerechtere Haltung ohne Käfige rentabel möglich ist

So einen Bullcrap unterschreibe ich nicht. Es muss jetzt endlich mal Schluß sein damit, dauernd nach den „richtigen Wegen“ das Falsche zu tun, zu suchen. Schluß mit Änderungen, die nur einen Zweck haben, nämlich den Konsumenten der sentienten Wesen ein gutes Gewissen zu bescheren und dadurch den Tierkonsum weiter zu zementieren, zu rechtfertigen und zu billigen.

Wie zu erwarten, kam recht bald der übliche Einwand:

Ich frage mich ehrlich, ob die „Tierschützer“ diesen Mist tatsächlich glauben. Klar finden wir keine Mehrheiten für eine vegane Welt, wenn sogenannte Tierschützer*innen das Wort vegan nach Möglichkeit meiden, wenn sie den Eindruck erwecken, dass „vegan“ ganz schlimm bäh-bäh, weil so extrem, ist und viel zu schwer und zu teuer und eh total unrealistisch und überhaupt gar scharöcklich unzumutbar für die aaaarmen Tiernutznießer*innen.

Wie groß der Schritt von der de facto Leibeigenschaft der Frauen zum passiven UND aktiven Wahlrecht war, scheint dieser Person überhaupt nicht bewusst zu sein. Und die Frauen haben nicht zuerst einmal dafür gekämpft, vielleicht bitte Wahlhelferinnen, Stimmenauszählerinnen oder Plakatkleberinnen werden zu dürfen, sondern sie haben sofort die Maximalforderung in den Raum gestellt und nur so kann auch was erreicht werden. Durch echten Druck. Nicht so Wischi-Waschi-Weichspül-Eiertänze.

Als es um die Änderung des bis dahin echt ekelhaften §177 ging, haben die Frauen auch nicht darum gekämpft, dass die erlaubte Vergewaltigung in der Ehe vielleicht erstmal eine Zeitlang weniger häufig oder zumindest schonender praktiziert werden sollte, damit ihren Ehemännern die Umgewöhnung nicht so schwer fallen würde. Old habits die hard, gell?

Dass die Sklavenhaltung nicht von einem Tag auf den andern abgeschafft wurde, ist wahrlich kein Ruhmesblatt in der Menschheitsgeschichte, aber ich kann mich nicht erinnern, in der Schule gelernt zu haben, dass die Sklaven und die Abolitionisten sich „taktisch klug“ dachten, „Ach, um das Verkaufen der Kinder, das Vergewaltigen und Henken kümmern wir uns später. Lass uns erstmal für größere Unterkünfte, weichere Betten und bessere Verpflegung kämpfen. Aber bloß nicht zu fordernd werden, sonst verschrecken wir die Zielgruppe noch. Am Besten machen wir den Unterdrückern schmackhaft, dass glückliche Sklav*innen auch bessere Leistung bringen. Auf keinen Fall dürfen wir die Ausbeuter*innen mit zuviel Moral und Ethik überfordern.“

Weibliche Genitalverstümmelung gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen. Die schlimmste ist die pharaonische. Ich will da jetzt gar nicht ins Detail gehen, das können sich alle anlesen, die es wollen. Eins steht aber fest: Ich bin gegen JEDE Form der Genitalverstümmelung, egal ob sie an männlichen oder weiblichen Kindern verbrochen wird, und ich würde NIE eine Petition unterschreiben, in der vorgeschlagen wird, als einen ersten „Schritt in die richtige Richtung“ doch lieber erstmal auf „mildere“ Formen der Genitalverstümmelung auszuweichen. Dieser Wahnsinn muss aufhören. Wer hier Zwischenschritte vorschlüge, der stellte erstens das Recht der Opfer auf körperliche Unversehrtheit zur Disposition und räumte zweitens dadurch ein, dass nicht etwa die Verstümmelung selbst das Problem ist, sondern nur der Schweregrad der Verstümmelung. Es wäre somit eine grundsätzliche Billigung derartiger Verstümmelungspraktiken in Tateinheit mit der Anmaßung, im Namen der Opfer mit den Tätern darüber zu verhandeln, welches Ausmaß an Verstümmelung „besser“ als die Maximalverletzung ist und somit den Opfern gefälligst zumutbar zu sein hat.

Wenn es um menschliche Opfer ginge, käme niemand auch nur ansatzweise auf die Idee, ein solches Vorgehen strategisch sinnvoll zu nennen. Schon der Vorschlag würde allen die Zornesröte ins Gesicht treiben und zwar zu Recht.

Nicht zuletzt hat sich ja prima gezeigt, wie toll dieser „tierschützerische“ Ansatz funktioniert. Ich geh jetzt auf die 60 zu und habe als Teenager das erste Mal von Tierschützern gehört, die für größere Käfige kämpften. In mindestens 40 Jahren, wahrscheinlich sogar noch länger, hat sich so ziemlich genau GAR NICHTS für die Tiere verbessert. Null. Nada. Nil. Rien. Wenn überhaupt, dann ist alles noch viel schlimmer als vor 50 Jahren, weil die Tiere in immer noch grausamere Körpergefängnisse gezüchtet wurden. Ja, richtig. Diese Turbo-Ausnutzkörper sind die schlimmsten Gefängnisse von allen und daraus kann niemand sie mehr befreien. Aber halt, ich bin ungerecht: Käfighaltung von organischen Eierlegemaschinen, im Volksmund „Hühner“ genannt, ist verboten, abgesehen von den zig Ausnahmegenehmigungen natürlich und sie heißt jetzt anders: „Volierenhaltung“. Yay! Sieg! In 40 Jahren „Kampf“ hat ein Huhn immerhin jetzt etwa eine Postkarte mehr Platz. Juhu. Ach ja, und „Bio“-Schweine haben in ihren Lebendsärgen seit kurzem rundum so etwa 5cm mehr „Spielraum“. Yippie! Bei dem Tempo sind wir in 1.000 Jahren nicht dort, wo wir, oder besser die Tiere, hin müssen.

Trotz all der stolz bekennenden „Reducetarier“ frisst die Menschheit mehr Tiere, säuft mehr Milch, schreddert mehr Küken und fischt mehr Wassertiere als je zuvor. Nichts bewegt sich, wenn nicht der Status Quo ganz grundsätzlich in Frage gestellt wird, also die verachtenswerte Ansicht, ein anderes sentientes Lebewesen könne Eigentum sein, dürfe als Produktionseinheit benutzt werden, oder zu toten Objekten zerhackt werden. Diese Geisteshaltung muss absolut unmissverständlich geächtet und bekämpft werden.

Genau wie die Frauen, als sie um die Gleichberechtigung kämpften, und die Sklaven, als sie für ihre Freiheit kämpften, – und zwar kein bisschen weniger als Gleichberechtigung und Freiheit, – genauso müssen wir heute für die Freiheit der Tiersklaven kämpfen und zwar ohne Einschränkung, ohne Wenn und Aber. Ich zumindest werde das tun bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Ein kluger Mensch, angeblich Albert Einstein, hat mal gesagt, es sei verrückt, ständig dasselbe zu tun und trotzdem unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten.

Mit „Tierwohl“ wurde es nun jahrzehntelang vergeblich versucht, den Menschen begreiflich zu machen, welch entsetzliche Verbrechen gegen sentiente Wesen hier verübt werden und dass es in jeder Hinsicht ethisch und moralisch falsch ist, andere empfindungsfähige Wesen zu Ressourcen und Objekten zu machen. Es wird Zeit, statt den x-ten Reformierungsvorschlag zu machen, endlich die Ethik in den Vordergrund zu rücken und ganz klar Grundrechte auf Schutz vor menschlicher Gewalt und Willkür, auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit für sie einzufordern. Es wird Zeit, die Konsument*innen sentienter Wesen an ihren Werten und ihrer Eigenverantwortung zu packen.

Im Gegensatz zu Tierschützer*innen, die ihren Mitmenschen offenbar nicht allzu viel zutrauen, bin ich nämlich der Überzeugung, dass Menschen sehr wohl in der Lage sind, das Konzept der Tierrechte zu verstehen, als übereinstimmend mit ihren eigenen Grundwerten zu erkennen und sich folgerichtig bewusst für ein veganes Leben zu entscheiden. Ich traue den Menschen bis zum Beweis des Gegenteils zu, dass sie lernfähig und empathiefähig sind, sowie einen grundlegenden Sinn für Gerechtigkeit haben. Ich traue Menschen zu, dass sie richtige Entscheidungen treffen können.  Woher ich das weiß? Weil ich solche Menschen persönlich kenne. Weil die meisten Veganer*innen genau so einen Verständnis- und Entwicklungsprozess hinter sich haben. Und weil sie alle ganz normal sind und eben gerade keine Übermenschen.

Je mehr Menschen vegan werden und so der Tierausbeutung die Finanzierung entziehen, desto eher wird sich wirklich was bewegen und dann auch endlich vorwärts, statt immer nur hier und da ein Stückchen seitwärts.

Wir müssen uns laut, stark und selbstbewusst für die Verbreitung des Veganismus einsetzen. Damit hacken wir in die Wurzeln des Tierausbeutungsbaumes, statt immer nur ein bisschen an den Ästen herum zu trimmen.

#Stophavingvictims #govegan

Ein letztes Wort noch an alle, die jetzt herumheulen, man könne Vergewaltigung, Genitalverstümmelung und Sklaverei doch nicht mit der Tierhaltung vergleichen oder gar gleichsetzen.

1) Doch. Kann man. Siehst du doch gerade.

2) In der Tierhaltung zwecks Gewinnerwirtschaftung werden routinemäßig weibliche Tiere unter Zwang geschwängert, werden männliche Tiere meist ohne Narkose kastriert, gehören noch eine ganze Reihe anderer Verstümmelungen, fast alle ohne ausreichende Schmerzunterdrückung, zum ganz normalen Geschäft und alle diese Tiere leben in Gefangenschaft, die immer mit deren gewaltsamem Tod endet.

3) Wenn ich dir die ethischen Überlegungen zum Grundrecht der anderen sentienten Wesen auf Wahrung ihrer existenziellen Interessen möglichst gut verständlich darlegen will, dann muss ich auf Analogien und Vergleiche zurückgreifen, die dir vertraut und nahezu selbstverständlich sind. Sonst wird das alles so verklausuliert, dass es völlig unverständlich wird, obwohl es an sich wirklich sehr einfach ist.

Immerhin…

“Immerhin weiß ich, wo mein Essen herkommt.”

Umso schlimmer.

Es bedeutet dann ja wohl, dass du ganz genau weißt, dass extra dafür bewusste, empfindungsfähige Wesen in die Welt gesetzt wurden, nur um sie schnellstmöglich, also meist noch im Kindesalter, gewaltsam zu Profitzwecken wieder zu zerstören.

Es bedeutet, dass du offenbar in der Lage bist, diesen Kindern in die Augen zu sehen und zu sagen: „Du musst sterben noch bevor du überhaupt anfingst, richtig zu leben, du wurdest in die Welt geworfen, ohne die geringste Chance, deinen eigenen Lebenszweck zu erkunden und zu erfüllen, und das nur, weil ich keine Lust habe, mich umzugewöhnen. Mein Appetit ist wichtiger als dein ganzes Leben. Dein Leid, deine Lust auf Leben sind mir, mit Verlaub, scheißegal.“

Kann es etwas Niederträchtigeres, Gemeineres, Widerlicheres geben, als den Tötungstermin eines bewussten Wesens schon vor dessen Geburt zu planen oder als Kaufwilliger in Auftrag zu geben?

Angebot und Nachfrage. Wer Tod bezahlt, bestellt Tod. Auftraggeber erzeugen Auftragnehmer.

Manchmal wird behauptet, Jagd sei „besser“. Finde ich nicht. Da werden wehrlose, ahnungslose Lebewesen in einen Hinterhalt gelockt, sie werden aus ihren Wohnhöhlen gezerrt, es werden ihnen Fallen gestellt, sie werden gehetzt, erschossen, erschlagen. Wenn sie nicht gerade krank oder verletzt sind, werden sie immer aus einem erfüllten Leben gerissen, aus ihren Familien, ihren Rudeln, Schwärmen, Sippen.

Egal, ob Krankheit, Alter oder Gewalt durch andere: Der Tod ist doch eigentlich immer ein Skandal. Sentiente Wesen hängen am Leben, oft selbst dann noch, wenn es keine Chance mehr gibt, gar keinen Ausweg. Wir, als ebenfalls sentiente Wesen, sollten das nachvollziehen können. Diesen verzweifelten Kampf um noch eine weitere Minute, noch eine Sekunde, noch einen Atemzug. Für unsere Opfer steht am Ende immer der Tod. Für Produkte, die nicht nur hierzulande längst obsolet geworden sind. Sie zahlen immer den höchsten Preis. Sie bezahlen mit ihrem Leben. Für ein bisschen Geschmack, einen modischen Fummel, etwas Unterhaltung oder irgendwelche Tests, die wir niemals, niemals Menschen zumuten würden.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Alle Produkte, die von Tieren gewonnen werden, verursachen Leid und Tod, nicht nur Fleischprodukte. Womöglich verursacht Vegetarismus sogar mehr als reiner Fleischgenuss. Überzüchtete Körper, die so lange bis zum Anschlag für Milch oder Eier ausgebeutet werden, bis sie ausgemergelt und dem Tode nah doch noch im Schlachthof landen, um für das letzte bisschen Profit zu billigem Fleisch zermahlen zu werden. Die männlichen Tiere, die im Allgemeinen unerwünscht sind und direkt getötet oder zuvor noch ein wenig aufgemästet werden. Die Milch und Eierindustrie ist ein großer Lieferant und wichtiger Bestandteil der Fleischindustrie. Vegetarier*innen sollten das wissen, wollen es allzu oft aber nicht wahrhaben. Wer noch weiter über den Tellerrand schaut, wird die immer gleichen gewalttätigen Muster in allen Tierbenutzungsformen finden.

Du sagst du weißt, wo dein „Essen“, deine „Kleidung“ usw. herkommen, oder zumindest behauptest du es. Selbst wenn es so ist, inwiefern ist das nun besser? Für die Tiere macht es keinen Unterschied, ob du es weißt oder nicht, ob du daneben stehst oder nicht, wenn sie getötet werden, wenn ihnen ihre Kinder genommen werden, wenn ihren Körpern Gewalt angetan wird. Für die Tiere macht es keinen Unterschied was du weißt oder nicht wissen willst. Wie ist diese merkwürdige “Logik” überhaupt zu verstehen? Mehr als ein gefällige Phrase ist das doch nicht. Nie gewesen. Selbstbetrug. Wohlklingende, doch letztlich leere Floskeln, die nur den Zweck haben, sich selbst und das eigene Gewissen zu beruhigen.

Wer heute noch Tiere verbraucht, sollte tatsächlich längst wissen, wo „es“ herkommt. Niemand kann mehr behaupten, er habe keine Ahnung, was die Menschheit da tut. Es ist Frevel. Es ist würdelos. Wir schänden uns selbst durch diese gedankenlose Gewalt. Wir vergewaltigen unsere eigenen Werte, wenn wir so auf ihnen herumtrampeln und insgeheim wissen wir das auch.

Trotzdem quellen selbst klugen, einfühlsamen Menschen die immer gleichen Phrasen aus den Mündern. Wie ferngesteuert. Nur nicht drüber nachdenken. Es wird schon alles seine Richtigkeit haben. Die anderen machen’s doch auch.

In diesem Interview legt ein ehemaliger Metzger Zeugnis ab: Facette Kult mit Tierrechtsaktivist Philipp Hörmann. Gerade diejenigen, die behaupten tierlieb zu sein und dennoch Veganismus für übertrieben halten, haben die Pflicht, sich dem zu stellen, was sie durch ihre Einkäufe verursachen. Und, Nein, es gibt keine humane Art, jemanden zu töten, der nicht sterben will.

Zu wissen, dass tagtäglich diese sanften Wesen völlig ohne Notwendigkeit getötet werden, dass die meisten schon vorher nichts als Leid und Schmerz kannten, vom ersten Atemzug an, und dass viele in den Schlachthöfen unvorstellbar grauenvoll leiden, ist eine schwere Last, die mich manchmal in tiefe Verzweiflung stürzt.

Manchmal bin ich sogar so verzweifelt, dass ich beginne, meine eigene Spezies zu hassen für diese gewohnheitsmäßige, absolut unnötige Gewaltausübung an Wehrlosen. Jedoch, gewaltfreier Antispeziesismus gilt auch für Menschen, selbst wenn es schwer ist. Doch wohin mit all der Verzweiflung? Und dann flüchte ich mich in den Wunsch, alle Tierverbraucher mögen Alpträume haben, Nacht für Nacht, in denen sie sich in den Ställen, auf den Transporten, im Schlachthof wiederfinden. Wenn sie sich in die Lage ihrer Opfer versetzen müssten, wenn sie schreiend vor Schmerzen und kreischend vor Todesangst aufschreckten, immer wieder und wieder, dann würden sie es doch hoffentlich irgendwann kapieren. Irgendwann würden sie hoffentlich wirklich wissen, wo „ihr“ Essen herkommt.

Schmeckt’s?

„Mir schmeckt dieses vegane Zeug nicht.“ – „Ich rühr‘ diesen veganen Dreck nicht an.“ – „Warum müsst ihr immer ’normales‘ Essen nachmachen?“

Seien wir doch mal ehrlich: Das sind einfach nur ganz billige, ganz faule Ausreden, denn immerhin geht es dabei für andere sentiente Wesen um Leben und Tod und das ist dann doch wohl ein winzig kleines bisschen schwerwiegender als Geschmackserlebnisse. Da muss als Einwand schon etwas mehr kommen, etwas Substanzielleres, als ein kindlich-trotzig anmutendes „I kenn des ned, drum mog i’s ned“. Außerdem offenbaren sich da Vorurteile, der Unwille, die eigenen vorgefassten Meinungen zu überprüfen und nicht zuletzt geradezu atemberaubendes Unwissen.

Quelle: https://pfaf.org/user/edibleuses.aspx

Eins unserer Hauptnahrungsmittel, nämlich Brot, wird ganz überwiegend vegan zubereitet. Nach dem Reinheitsgebot gebrautes Bier läuft dann wohl unter „veganer Dreck“ und die Form von Patties, Würsten und Braten hat sich halt mal bewährt im Laufe der Jahrhunderttausende.

OK. Das war zu einfach. Natürlich reden die Leute nicht von sowas Alltäglichem, sondern von Käse aus Nüssen, Milch aus Bohnen und fertig zu kaufenden Bratenstücken aus Lupinen, Tofu oder Seitan. Manches davon schmeckt tatsächlich erst einmal ungewohnt, aber oft trotzdem gut bis sehr gut, und manchmal fehlt die erwartete Konsistenz.

Na und?

Glaubt wirklich jemand, dass das Wissen, wie Muttermilch zu Käse und Joghurt gemacht wird, über Nacht vom Himmel gefallen ist? Da wurde experimentiert, da gab es im Laufe der Jahrhunderte mit Sicherheit mehr Fehlschläge als gelungene Kompositionen und nicht selten dürften die vergorenen, bakteriell umgearbeiteten und fermentierten neuen Erfindungen auch mal Verdauungsbeschwerden oder gar Vergiftungen hervorgerufen haben. Es war mit Sicherheit ein langer Prozess, herauszufinden, wie totes Muskelgewebe, Innereien und dergleichen eßbar, verdaubar und schmackhaft gemacht werden können. Auch da musste viel experimentiert werden, auch da werden nicht alle Experimente sofort ein Hochgenuß gewesen sein.

Und jetzt möchten Veganer*innen einfach nur vertraute und lieb gewonnene Geschmackserlebnisse auf neue Weise nachempfinden. Was soll daran auszusetzen sein? Es ist doch nur menschlich, in der Küche auf Abenteuerreise zu gehen und immer wieder neue Rezepte zu erfinden, neue Kompositionen zusammen zu stellen, neue Leckereien zu erfinden. Mir gefällt das, ich finde das hoch spannend und teste neue vegane Produkte mit Begeisterung. Die meisten sind außerordentlich lecker und was ich nicht mag, muss ich ja nicht essen. Mir kann kein Mensch erzählen, dass alle Nichtveganer*innen jedes aber auch jedes Gericht, das tierliche Produkte enthält, unheimlich gut finden und alles auch immer gleich gut finden. Ich sage nur: Haggis, Kutteln, Zunge, Saumagen, Casu Marzu, Limburger. Davor ekeln sich auch viele Nichtveganer*innen. Früher, als ich noch Fleisch aß, hatte ich beim versehentlichen Biß auf eine Sehne oder einen Knorpel mit spontanem Würgereiz zu kämpfen. Das fehlt mir so überhaupt gar nicht.

Veganer*innen wollen nur eins: Möglichst kein anderes Tier als Ressource verwenden. Weil ihnen damit Leid und Tod zugefügt wird und weil das nach besten Kräften vermieden werden soll.

Auch Veganer*innen haben das Recht auf leckere Nahrung, haben das Recht, in der Küche zu experimentieren und sich ideenreich und lustvoll schmackhaftes Essen zuzubereiten. Wenn es ähnlich wie unvegane Speisen oder gar genauso aussieht, na und? Wichtig ist erstmal nur, dass dafür möglichst keine anderen sentienten Tiere zu Schaden kommen und dass es schmeckt. Das erste ist für Veganer*innen nicht verhandelbar, das zweite ist entdeckbar und das macht Spaß. Mir jedenfalls schmeckt das, was bisher entdeckt, wiederentdeckt oder neu erfunden wurde, meistens gut, manchmal fast etwas zu gut – das Hüftgold lässt grüssen – und ich bin einfach unheimlich gespannt, was da noch alles in der Zukunft erfunden und komponiert wird. Eine tolle Entdeckungsreise!

Turbotiere I – die Eierlegerinnen

Die Menschheit hat bei Tieren spezialisierte Rassen für die verschiedensten Zwecke gezüchtet, so auch bei Hühnern. Da gibt es welche, die sehr schnell wachsen und bei denen insbesondere die Brustmuskulatur abnorm ausgeprägt ist, und dann gibt es welche, die legen einfach nur unheimlich viele Eier. Um die letzteren geht es hier.

Die Urform der heutigen domestizierten Hühnerrassen ist das Bankiva-Huhn. Bankiva-Hühner kommen in Südostasien vor und leben in Herden zwischen 16 und 40 Tieren (alles darüber dürfte von diesen Tieren als Massenhaltung empfunden werden). Sie ziehen es vor, Abstand voneinander zu halten. Gedränge ist ihnen wohl eher unangenehm. Ich fühle da durchaus mit ihnen. Wie Legehennen in Deutschland gehalten werden dürfen, kannst du hier beim BMEL nachlesen.

Bankivahühner brüten ein- bis zweimal pro Jahr. Die Gelege bestehen meist aus fünf bis sechs, seltener vier bis zwölf Eiern, die etwa 45 bis 49 × 36 mm (Länge x Durchmesser) groß sind. Diese Eier sind deutlich kleiner als diejenigen der domestizierten und durch Zucht veränderten Legehennen. Die Wildform der Hühner legt also zwischen 8 und 24 Eier pro Jahr, im Gegensatz zur domestizierten Legevariante, die bis zu 320 Eier pro Jahr legt (oder besser: legen muss, da ihr Körper genau daraufhin gezüchtet wurde).

Wenn wir sehr konservativ rechnen, also ca. 300 Eier im Gegensatz zu etwa 20 Eiern pro Jahr, dann legen die domestizierten Hühner also das 15-fache dessen, was als normal gelten kann.

Dass sich das körperlich bemerkbar macht, selbst bei bester Ernährung und Pflege, ist leicht vorstellbar. Eier bestehen ja aus einer ganzen Menge Stoffe, darunter natürlich viel Eiweiß und sehr viel Calcium in der Schale. Wenn es dem Huhn nicht gelingt, genug davon mit der Nahrung aufzunehmen, dann ist der Körper quasi gezwungen, sich selbst zu verzehren, um dieses Wahnsinnspensum zu schaffen.

Stellen wir uns doch einfach mal vor, wie es uns Menschenfrauen erginge, wenn jede Ovulation ein Baby erzeugte, das rasant heranwächst und wir etwa alle 25 Tage ein King-Size Kind von 5 und mehr kg zur Welt bringen müssten. Wie groß wäre wohl die Belastung für den Körper und könnte frau überhaupt mit Essen allein genügend Nährstoffe aufnehmen, selbst wenn es Spezialnahrung wäre? Wie viele Jahre könnten wir wohl so durchstehen, bis wir körperlich und seelisch am Ende wären?

So ähnlich dürfte es Hühnern gehen. Ihre Körper sind darauf gezüchtet, andauernd Eier zu erzeugen. Nahezu täglich quälen sich ihre Körperchen durch die Geburt eines Eis. Die Fortpflanzungsorgane erleiden Schäden, häufig sammelt sich Eimaterial im Körper an, das sich nicht selten entzündet, es kann zu Legenot und Legedarmvorfällen kommen und Ovarial-Krebs tritt bei diesen Rassen überdurchschnittlich oft auf. Medizinische Behandlung wird ihnen in den industrialisierten Großanlangen eher selten bis gar nicht zuteil.  Wie soll das auch gehen, wenn in so einem Stall mehrere tausend „frei“ laufende Hühner sind? Glaubt wirklich auch nur ein Mensch, dass diese „Landwirte“ regelmäßig jedes einzelne Tier auf solche Erkrankungen untersuchen? Entweder sterben sie von alleine, oder sie landen im Schlachthof wenn ihr Körper nicht mehr genug hergibt.

In Lebenshöfen bekommen die Überlebenden der Eierindustrie daher, wenn es möglich ist, eine Hormonbehandlung, die die Eierproduktion unterdrückt, aber so etwas ist nicht ohne und kann Nebenwirkungen haben. Selbst wenn sie aus den Legeanlagen gerettet werden konnten, können sie dennoch nicht aus dem schlimmsten Gefängnis befreit werden, nämlich ihren eigenen Körpern.

Deshalb sind auch die Eier der scheinbar so glücklich draußen herumscharrenden Hühner vom Hinterhof oder dem vielzitierten „Bauern von Nebenan“ letztlich nichts weiter als Tierqualprodukte. Ich halte diese Züchtungen für Qualzüchtungen. Würde uns Menschenfrauen eine derart abartige Reproduktionsrate aufgezwungen, würden wir es mit Sicherheit auch eine Qual nennen.

Gerade Frauen sollten also am Besten verstehen, dass die totale Ausbeutung der weiblichen Fortpflanzungsorgane, die ja die Grundlage dieser sogenannten Landwirtschaft ist, als völlig inakzeptabel angesehen werden muss. Gerade Frauen sollten jegliche tierliche Produkte ablehnen. Einfach aus Solidarität mit ihren leidenden tierlichen Schwestern.

Sag mal…

Foto: Jo-Anne McArthur, We Animals

… du bist doch offenbar ein verständiger Mensch.

Glaubst du wirklich, dass ein Schwein nicht an seinem Leben hängt? Oder all die anderen Tiere?

Nicht ernsthaft, oder?

Zieh die logische Konsequenz: Leb vegan.